KIBUM – Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse
KIBUM 2020
Stadt Oldenburg Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Grußwort des Schirmherrn der KIBUM 2021 Bart Moeyaert

Liebe kleine und große Leserinnen und Leser!

Bart Moeyaert - Foto: (C) Joost Joossen

Ein Bekannter legte mir ans Herz, mir ein Theaterstück in Brüssel anzusehen, „Die Möwe“ von Tschechow im Théâtre Varia. Über mein Französisch, eine Art besseres Schulfranzösisch, schwieg ich mich aus – ich bin in Flandern aufgewachsen, meine Muttersprache ist Niederländisch. Ich kaufte mir eine Karte. Und dann saß ich im Theater und es fielen Sätze, die ich nur teilweise verstand, weil das Französisch zu schnell für mich war. Die Dialoge hatten Lücken. Trotzdem war es ein toller Abend. Ich merkte, dass ich ganz hungrig war, um nicht zu sagen: begierig. Ich wollte so viel wie möglich in mir aufnehmen, also sah und hörte ich besser hin denn je. Ich sog die Beleuchtung, die Atmosphäre, die Musik und jede noch so kleine Geste dieses Schauspielers und jener Schauspielerin auf. Ich sprang vom Bühnenbild zur Stimme, von einer Pause im Dialog zum Klang eines Wortes. Überall suchte ich nach Sinn. Alles kam zum Einsatz, um das Mysterium zu lüften, das „Die Möwe“ in diesem Moment für mich war, und ich kann mich nicht erinnern, mir jemals ein Theaterstück so begierig angesehen zu haben.

Dass Schokolade eine feine Sache ist, brauchen wir niemandem zu erklären. Schwieriger ist es zu beweisen, dass Lesen eine feine Sache ist. Das überlassen wir oft denjenigen, die den Kindern auch Schreiben und Rechnen beibringen. Was für eine seltsame Einstellung. Begeisterung ist für alle da. Feuer müssen nicht unbedingt lodern, aber es ist schön, wenn sie wenigstens ein bisschen knistern. Man darf nie (wirklich keinen einzigen Moment) die Fähigkeit verlieren zu staunen. Wir sind nicht lange auf Erden, da sollten wir unseren Tagen schon Würze geben.

In einem toten Ding – und Bücher sind auf den ersten Blick tot – sind viele Leben enthalten. Wir müssen sie nur erwecken. Denkt daran, was der Geiger Isaac Stern einmal gesagt hat: „Noten sind nur tote Zeichen auf dem Papier. Erst wenn sie gespielt werden, hört man, was der Komponist in etwa meinte.“ Die Worte von Herrn Stern werden von der KIBUM seit 47 Jahren sehr gut verstanden. Vertieft Euch auf den folgenden Seiten ins Programm und spürt das Lodern des Feuers.

Ich hoffe, Ihr werdet davon ganz hungrig, um nicht zu sagen: begierig.

Ich wünsche Euch eine wunderbare KIBUM!

Mit herzlichen Grüßen